#036 – Axel Schulz | ehemaliger Profi-Boxer, Grillexperte & knorker Typ

Jan 13, 2021 | Interview, Sport

Aktuelle Episode in Worten

Gerne teilen wir im HAUPTSTADTPODCAST aus- heute werden sie auch mal einstecken müssen. Denn neben ihnen im Sessel sitzt niemand geringeres als Axel Schulz: die berühmtberüchtigte Box-Legende. 

 

Wann gibt’s was?

  • Der ehemalige Profi-Boxer betritt den Ring aka das HAUPTSTADTPODCAST-Studio und stellt sich den gefährlichen Eingangsfragen von Wolfgang (ab Minute 0:30)
  • Der Versuch, Axels Leben zu clustern- gar nicht so einfach bei solch einer Biografie! Angefangen beim Fußball in der DDR (ab Minute 3:15)
  • Foreman vs. Schulz – “auf einmal war es real” (ab Minute 14:45)
  • Die Schattenseite des Profi-Boxens und wie sich Axel wirklich hart durchgeboxt hat (ab Minute 24:30)
  • Charity, Currysaucen und ein kleines Comeback (ab Minute 34:30)
  • Moment, Profi-Boxer und Saucen? Das klappt? Und wie das klappt! (ab Minute 40:45)
  • Und wie sieht Axels Leben heute aus? Eins ist klar: Langweile kommt da nicht auf (ab Minute 55:30)
  • Pläne, Produkte, Protein Croutons – 2021 wird ein volles Jahr für Axel Schulz. Und wenn wir den Gast-Wunsch von Axel berücksichtigen, wird’s auch im HAUPTSTADTPODCAST-Studio richtig voll! (ab Minute 60:00)

… deshalb kann man(n)´s ja mit Einschleimen versuchen 

Jedenfalls bezeichnet Axel die schmeichelnden Eingangsworte von uns als solche. So wie jeder muss sich auch Axel DER Frage zu Beginn schlechthin stellen: “Was hältst du eigentlich von Berlin?” “Also ick fang mal an, wat mir nicht jefällt is der Verkehr, janz schrecklich!” Ehrlich und direkt, Berliner, bzw. Brandenburger Schnauze eben. Die Vielfalt in allen Bereichen, also kulinarisch, eventtechnisch und kulturell, gleicht das aber wohl wieder aus. Glück gehabt.  

Von der DDR zum Profi-Boxer 

Wer denkt, das Boxen wurde Axel in die Wiege gelegt, täuscht sich. So wie vermutlich fast jeder kleine Junge, wurde er erstmal ins Fußballtraining gesteckt. Fand er doof. Gut, nächster Versuch: Leichtathletik. Noch schlimmer. Nach weiteren Versuchen mit beispielsweise Schwimmen, kam er dann eher zufällig mal in ein Boxtraining, da war er gerade mal zarte 10 Jahre alt. Hier wurde sein Ehrgeiz geweckt, fing an, sich wortwörtlich durchzuboxen und landete 1982 auf der Kinder- und Jugendsportschule in Frankfurt an der Oder. Durchlief Stufen wie die Europameisterschaft, gewann den Chemie-Pokal, holte 89 bei der Weltmeisterschaft in Moskau Bronze. Das alles geschah aber noch auf Amateur-Stufe. November 89 kam die Wende. Sowohl in Deutschland, als auch für seine KarriereEr stieg als Profi im Sauerland ein, als 1992 dann RTL als Übertragungssender hinzukam, erlebten er und das Profiboxen in Deutschland immer mehr an Popularität. Ein bisschen wie Popstars.  

Der große Kampf um die Weltmeisterschaft 

Sein Leben lang hatte Axel den Profi-Boxer George Foreman natürlich verfolgt. In den Medien versteht sich. Dass sich aber urplötzlich die Gelegenheit bieten würde, selbst gegen ihn zu boxen, damit hatte er nicht gerechnet. Erste Reaktion? “Ne, mach ick nicht!” Nach ein bisschen hin– und herüberlegen dann aber doch der Entschluss, denn “komm, der ist 20 Jahre älter, der alte Sack, den wirste ja wohl schlagen.” Ausgetragen wurde der Kampf in Las Vegas, Axel mit seinem damaligen Ossi-Englisch, wie er es nennt, zunächst verunsichert durch den Trainer von Foreman und die gigantischen Dimensionen der Zuschaueranzahl (13-14 Tausend, darunter etwa 1.000 Deutsche), hatte sich aber seine Taktik wohlüberlegt. Das typische “Webschubsen, um den anderen einzuschüchtern” zu Beginn, klappte allerdings nicht so: “Ich wollte ihn wegschubsen, aber der hat sich gar nicht bewegt.” Der Kampf endete mit einer Niederlage für Axel. Doch so schnell ließ er sich nicht unterkriegen. Und als Weltmeister der Herzen kehrte er zurück nach Deutschland. 

Next Try! 

Das Gefühl, im Ring zu stehen, beschreibt er wie einen Tunnel. Nach spätestens einer Minute bekommt man von allem drumherum nichts mehr mit, ist nur auf den Gegner und den nächsten Schlag fokussiert. Nach seinem Kampf gegen den schon viel bekannteren (und mit mehr Geld verknüpften) Foreman kam Gerede auf. Profi-Boxen sei doch alles nur Bestechung. 
Nach einer weiteren Niederlage (er war mittlerweile 27 Jahre alt), zog er tatsächlich in Erwägung das Boxen komplett aufzugeben. Er machte weiter, doch nur noch aus finanziellen Gründen. 1999 wurde er von Vladimir Klitschko in der 8. Runde k.o. geschlagen “man erinnert sich nicht dran, aber man sieht ja öfter die Bilder.” Klitschko und er stehen aber trotzdem in einem super Verhältnis zueinander “Vladi ist ein toller Typ”.  

Auf zu neuen Ufern: Langweile braucht es manchmal einfach  

Trotz des Ruhms ist Axel bis heute offenbar herrlich normal geblieben. So ein typischer Kumpel-Typ eben. Markenzeichen: Mütze. 1999 beendete er seine Box-Karriere vorerst und beschloss, sechs Monate nichts zu tun, einfach Urlaub. Dass ein Typ wie Axel aber nicht ewig die Füße stillhalten kann, sollte allen klar gewesen sein. Er begann sich bei Charity-Projekten einzusetzen und erlebte auch im Boxen nochmal ein 1-Jähriges Comeback. 

Von Golfen und Grillen 

Als er von seinem neu-entdeckten Hobby und Leidenschaft, dem Golfen, erzählte, konnte ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Aber irgendwie passt es auch zu ihm. Weil es eben nicht so passt. 
Während eines Besuchs in Florida wurde dann eine neue Idee für ein neues Standbein geboren: Eine Grill-Sauce in einem Restaurant faszinierte ihn so dermaßen, dass er sie zuhause nachzauberte. Schicksalhafterweise kam er kurze Zeit später mit einem Freund in Kontakt, der eine eigene Saucen-Fabrik besaß. Und so konnte er die ganze Sache bzw. Sauce erstmal in kleinerer Stückzahl produzieren und auf dem Markt testen. Als er dann das Produkt auch noch bei seinem guten Freund Clemens Tönnies vorstellte und auf Begeisterung stieß, war es eine klare und schnelle Sache: Das Produkt wurde lizensiert, vermarktet durch Axels Gesicht auf der Verpackung. Und dabei blieb es nicht: Mittlerweile hat er eine ganze eigene Produktreihe, bestehend aus unterschiedlichem Grill-Zubehör wie Messern, Kräutern, Gewürzen, sogar ein eigenes Bier gibt´s. Das macht sich Wolfgang jetzt erstmal auf. Naja, andere essen morgens um halb zehn ihr Knoppers, Wolfgang hat sein Bier. Schuuulz! 

Einstecken, Austeilen, Grillen und? 

Grillen und chillen? Ersteres ja, zweiteres kann und will der ehemalige Profi-Boxer immer noch nicht. Seiner Heimat Frankfurt Oder ist er immer noch treu, fokussiert sich auf sein Grillzubehör (und Zigarren, wobei die im weitesten Sinne ja auch Grillzubehör sein können). Dafür quält der Morgenmuffel sich konsequent sogar in Corona-Zeiten immer morgens um 6.30 aus dem Bett. Da kommt die Dose HAUPTSTADTcaffee ja gerade richtig! Er braucht ihn geradezu!
Und wer soll als nächstes hier im HAUPTSTADTPODCAST-Studio sitzen? Nein, kein Sportler-Kollege. Sondern überraschenderweise schlägt er die Band “Rammstein” vor. Man kennt sich. Wäre mal eine ziemlich coole Abwechslung und was GANZ anderes. Denn Musiker gab´s bisher noch nie beim HAUPTSTADTPODCAST.