#061 | Irene Kotnik | Gründerin von Petrolettes & Bike Woman of the Year

Sep 10, 2021 | Interview, Kultur, Staffel Zwei

Irene Kotnik im Interview

Wer ist Irene Kotnik?

Durch ihren Vater kam Irene Kotnik früh in die Biker-Szene. Doch schnell merkte sie: Frauen kommen hier zu kurz und kurzerhand beschloss sie, das zu ändern und erschuf eine kleine bis mittelgroße Revolution in der Motorwelt! Sie gründete Petrolettes: eine Biker-Community für alle Frauen, ein Safe Space, in dem Rennen gefahren und Geschichte geschrieben wird! 

Wann gibt’s was?

  • “Die Stadt kann sich selbst nicht so definieren” und andere Gedanken zur Wahlheimat Berlin gibt’s
    >>>ab Minute 14:45<<<
     

  • Von der Filmproduktion in Südfrankreich zur Passion “Risiko, Geschwindigkeit”
    >>>ab Minute 18:30<<<
     

  • Und wie genau entstand dann die Idee zu “Petrolettes”? Selbst ist die Frau!
    >>>ab Minute 21:15<<<
     

  • 1000 weibliche* Bikerinnen in der Wüste… Film? Nein, wahrgewordener Traum für Irene
    >>>ab Minute 31:00<<<
     

  • Warum also das Ganze nicht auch in Deutschland veranstalten? Eben mit weniger Sand
    >>>ab Minute 36:30<<<
     

  • Die wahre Geburtsstunde von “Petrolettes” inklusive der (illegalen) Anfänge und Programm
    >>>ab Minute 44:00<<<
     

  • Corona zwang zum Umdenken – und mit riesigem Erfolg
    >>>ab Minute 54:10<<<
     

  • Mehr Frauen* im Motorsport bitte! Ob mit Schutzgeld oder Fördergeldern – Unterstützung ist immer erwünscht!
    >>>ab Minute 61:00<<<
     

  • Beim nächsten Gastwunsch wird’s vielleicht richtig schmerzhaft für Erik und Wolfgang
    >>>ab Minute 71:40<<<
     

Kurzzusammenfassung 

Unaufgeräumt in der Hauptstadt mit 90er Vibes

Angereist ins Hauptstadt Podcast Studio mit einer “alltagstauglichen Yamaha aus den 90ern, die keine Zicken macht” sitzt Irene Kotnik nun auf dem heißen Stuhl. Seit 8 Jahren nennt sie Berlin ihre Heimat, an der sie noch immer begeistert “Die Stadt kann sich selbst gar nicht so definieren, es ist nicht so aufgeräumt”. Naja, und die Bikerszene ist hier wohl auch nicht zu unterschätzen.  

Ihre allerersten Berührungspunkte zum Motorradfahren hatte sie gemeinsam mit ihrem Vater, der in New York unbedingt auf der legendären “Road 66” fahren wollte – nur deshalb machte sie ihren Motorradführerschein, allerdings fand sie die dort anzutreffenden “alten weißen Männer” nicht ganz so toll. Ganz ursprünglich kommt Irene übrigens aus der Medienbranche, vor ein paar Jahren wurde sie also beruflich zu einer Filmproduktion in Südfrankreich eingeladen: Ein Biketreffen. Irene war fasziniert und “zur richtigen Zeit am richtigen Ort” und aus dem eigentlichen Arbeitskontext entflammte ihre neue Passion zum Biken und “der Gefahr”. 

Etwas fehlt oder passt nicht? Dann muss man (bzw. Frau) eben selbst ran

Sich immer weiter ins Thema reinfuchsend, merkte Irene schnell: Die Szene ist ganz schön männerdominiert. Da sie sich aber nicht immer abspeisen lassen wollte bei Reparaturen, sich selbst helfen wollte und außerdem sah, die wenigen Frauen*, die ebenfalls in der Szene waren, waren richtig cool, beschloss sie: Eine Veränderung musste her! Ein Zusammenschluss aller Frauen, die sich untereinander auf einer Augenhöhe begegnen konnten, eben alles “Frauen mit Benzin im Blut”. Den letzten Anstoß gab ihr die Tour 2015 an der Westküste der USA, die in Joshua Tree in der Wüste endete: 1000 Motorradfahrerinnen auf einem Bike-Event in der Wüste, mit Girl-Bands und “geballter Energie”. Zurück in Deutschland war klar: So etwas brauchen die Frauen* in Deutschland auch! 

Die Geburtsstunde einer riesigen Girl-Biker-Gang-Community

Das erste Petrolettes Event fand in Spandau statt (fast so cool wie die Wüste) “natürlich war das illegal”, Anklang im wahrsten Sinne des Wortes fand das Ganze aber trotzdem – und wie! Mittlerweile wird ein umfassendes Programm geboten, bestehend aus Punkten wie Musik (natürlich nur Bands mit weiblichen Mitgliedern), Motorrad-Yoga, Tattoos kann man sich auch stechen lassen und natürlich Rennen. Heute ist Petrolettes Irenes Hauptberuf, gerade durch die Pandemie, wegen der keine Massen-Events wie sonst stattfinden konnten, war Umdenken angesagt, eine neue Idee wurde geboren: Eine Rällly (ja, das ist richtig geschrieben) ohne große Berührungspunkte. Über eine selbst entwickelte App bekamen die Teilnehmerinnen Checkpoints, die Route dazwischen durfte selbst gewählt werden aka “Hier, plan dein Abenteuer! Brich für 2 Tage aus deinem Alltag aus!”. Die App schlug ein wie eine Bombe: statt 750 Anmeldungen gab es auf einmal 4000! Und nicht nur für die Rällly ist sie goldwert, auch zum connecten mit Gleichgesinnten überall auf der Welt, “Verwaltungskram”, Ticketbuchung und Co. ist sie eine Bereicherung, ein echtes Multi-Marketing-Tool.  

Mehr Frauen* in die Startlöcher und den Hauptstadt Podcast

Petrollettes ist ein absoluter Safe-Space für Frauen*, allerdings dürfen natürlich auch Männer die “Local Girl Gang” unterstützen “Alle können Förder*innen werden”. Ob das nun Fördergeld oder Schutzgeld vor der “Girl Gang” ist, ist in den Raum gestellt 😉 Und wenn wir gerade schon bei “Aufrufen” sind: Irene wünscht sich mehr female Empowerment im Motorsport – bei Rennen gibt es nämlich tatsächlich keine Geschlechterdifferenzierung, jeder und jede darf antreten! 
Last but not least und dieses Mal besonders “schmerzhaft”: der nächste Gastvorschlag. Wer darfs denn sein? “Sibylle Berg”. Eine Schweizer Schriftstellerin (+Podcast, also ideal für den Hauptstadt Podcast). “Sie geht dahin, wo es weh tut!” Na dann, warm anziehen, Wolfgang und Erik!