#008 – Camillo | Promi-Gastronom, Eigentümer des Aida-Restaurants am Savignyplatz

Sep 24, 2020 | Business, Interview

Aktuelle Episode in Worten

Die Themen dieser Folge im Überblick:

  • Einen Aperitiv gefällig? Eine kleine Einführung in die Berliner Kulinarik und Camillos Berlin-Highlights gibt´s (ab Minute 1:30)
  • Die Reise vom Tellerwäscher zum.. Restaurantbesitzer. Die ganze märchenhafte Geschichte inklusive eines sehr humorvollen Auslösers (ab Minute 6:00)
  • Camillo macht uns sein Restaurant wahrlich schmackhaft und zwar in allen Punkten. Von A(peritiv) bis Z(uppa di pesce) (ab Minute 12:00)
  • Falls ihr beim Shoppen mal Gelüste auf echte italienische Küche habt: wo es das gibt, erfahrt ihr (ab Minute 18:30)
  • Auch Promis essen. Und natürlich am liebsten super lecker. Bekannte Namen und Wein-Gespräche (ab Minute 20:40)
  • Ein Tag mit dem Promi-Gastronomen- viel Herzblut trotz vieler Aufgaben. Und: was macht Camillo eigentlich am liebsten privat? (ab Minute 24:10)
  • Einblicke in das riesige Netz der Gastrobranche in Berlin. Was genau in Camillos Augen schädlich für alle ist. Super informativ und spannend! Plus: der Gastronom bleibt bodenständig- man kann ihn nur sympathisch finden (ab Minute 29:00)
  • Die Ziele von Camillo sind überraschend. Keine Allüren, einfach nur Harmonie. (ab Minute 34:30)

Die Berliner Kulinarik: ein dicker Pluspunkt für den heutigen Gast

.. Der für gewöhnlich nie Gast, sondern Gastgeber ist. Der Besitzer und Gründer des italienischen Restaurants “Aida” mit Hauptsitz am Savignyplatz hat es sich fleißig erarbeitet. Aber dazu später die nahezu romantische Geschichte. Was an Berlin ganz besonders ist? Er kann sich kaum festlegen, denn eigentlich liebt er alles, besonders das Multikulturelle der Stadt. Als erfolgreicher Gastronom mit Herz und Seele findet er es allerdings schade, dass die deutsche Bürokratie so streng in Bezug auf das Straßengeschäft ist “direkt ist jemand vom Ordnungsamt da”. Dolce Vita könnte also etwas entspannter sein in der Hauptstadt. Sein Restaurant führt er seit 2004, die Erfolgsgeschichte gepaart mit einer erfolgreichen Integrationsstory gibt es jetzt!

Vorhang auf- eine romantische Komödie

Der Ausdruck “vom Tellerwäscher zum Millionär” ist in der Tat ziemlich ausgelutscht und abgedroschen. Aber als Camillo von seinem Werdegang erzählt, bekommt er neuen Glanz verliehen, denn er füllt ihn wieder mit Passion und Herzblut. Als Sohn italienischer Gastarbeiter kommt er 1986 nach Berlin. Eigentlich wollte er studieren. Eines Tages brauchte ein Cousin spontan einen Spüler in einem Restaurant. Die Freude am Umgang mit Lebensmitteln und Menschen hatte er seit je her und so durchlief er alles; vom Tellerwäscher, über Barleitung zum.. Restaurantbesitzer. Aber davon gibt es in Berlin viele. Auch viele gute. (was Camillo übrigens nicht schlimm findet, denn „Konkurrenz belebt das Geschäft”). Wie es das Schicksal (ich glaube nicht an Zufall) so wollte spazierte irgendwann der deutsche Humorist Loriot in Camillos “Aida”. Und er kam wieder. Und wieder. Kurze Zeit später gab es einen Artikel darüber in der Zeitung. Was das auslöste, könnt ihr euch vermutlich denken. Das war der Startschuss und wurde zum Selbstläufer.

Ein Stückchen italienische Kulinarik (und Pizza) mitten in Berlin

Jeder, der Berlin kennt, kennt auch den Savignyplatz und weiß um dessen Charme. Grün, belebt (aber nicht hektisch), interessant. Genau da hat sich Camillo niedergelassen. Was er jedem einzelnen Gast bieten möchte? Eine Kombination aus dem klassischen Geschmack Italiens, geschickt gepaart mit Saisonalem. Das Ganze darf dann im stilvollen Ambiente genossen werden und ich betone “genossen”, denn einer meiner liebsten Aussagen von Camillo ist: “Man geht nicht essen, um satt zu werden. Es ist was für die Seele.” Damit spricht er mir ebenfalls aus der Seele. Das eingespielte Küchenteam besteht seit 2004, ein weiterer Pluspunkt, denn häufige Wechsel innerhalb des Teams sind in der Gastrobranche eigentlich Gang und Gebe. Seit 2007 findet man übrigens zwei Ableger der “Aida”, einen in der “Alexa Shopping Mall” am Alexanderplatz und einen weiteren in der “Mall of Berlin”.

Kein “Promis unter Palmen”, aber dafür “Promis mit Wein”

Wolfgang ist ganz gespannt, welche prominenten Gäste das “Aida” schon begrüßen durfte. Ein Highlight war definitiv Mario Adorf. Ein toller Schauspieler und laut Camillo auch ein toller Gast. So bestellte Mario eine Flasche Wein und lud den Restaurantbesitzer kurzerhand dazu ein, sich zu ihm zu setzen und diese mit ihm zu teilen. Wer hätte nicht gerne mit Camillo getauscht?

Everyday-To-Dos:

“Wie viel Einfluss hast du im Endeffekt auf die Gestaltung und Planung des Essens? Wie sieht ein Tag mit dir aus?” Camillo überrascht uns immer wieder: er stellt mit dem Koch gemeinsam das Menü zusammen, experimentiert, probiert und fährt zum Großmarkt, um Inspiration zu sammeln. Und als sei das nicht schon genug, kontrolliert es nahezu jedes einzelne Gericht, bevor es die Küche verlässt und an den Tisch gereicht wird. Seine Moral: “Mach das Essen und gucke, ob du das selbst essen willst bevor du es rausgibst.” Das Ganze klingt noch 1000 Mal charmanter mit seinem italienischen Akzent (diskreter call-to-action, den Podcast anzuhören).

Die Gastrokultur Berlins: ein Paralleluniversum zum normalen Leben

Multikulti in Berlin bedeutet zu einem großen Teil vor allem eins: Essen. Essen in allen Formen, Farben, Varianten. Zu jeder Tages- und Nachtzeit. Vom 1,50-Falafel auf der Sonnenallee (Lebensretter!) bis zum 200-Euro-Steak an der Friedrichstraße. Natürlich herrscht da Konkurrenzdenken, was aber Camillos Ansicht nach durchaus förderlich und ein Ansporn an sich selbst sein kann. Parallel dazu, das Geschäftliche außer Acht lassend, entwickeln sich aber auch Freundschaften. Im Endeffekt ist die Gastrobranche in Berlin ein wenig wie eine sehr große Familie mit vielen entfernten Verwandten: Man kennt sich über Ecken irgendwie, sieht manche fast nie, aber bekommt doch das Wichtigste mit.

Noch mehr Dolce-Vita-Sympathiepunkte

Klar, prominente Gäste sind super Promo und ehren einen Gastronomen in gewisser Weise, aber Camillo ist trotz des Trubels so herrlich bodenständig und er selbst geblieben und betont: “Ich bediene alle Kunden gleich”. Er findet es sogar noch schöner, wenn eine Familie ganz selten essen geht, aber es dann ganz besonders genießt und zu schätzen weiß. Seine größten Ziele im Leben hat er erreicht: seinen Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen lag ihm am meisten am Herzen. Das Glück derer steht für ihn an erster Stelle, deshalb erwartet er auch auf keinen Fall, dass sie sein Restaurant weiterführen. Wenn sie es wirklich wollen, dann “mit ganz viel Liebe”. Denn auch wenn es ein weiterer, eigentlich abgedroschener Satz ist, “Liebe geht durch den Magen”. Und kaum jemandem hat man genau das so sehr abgenommen wie Camillo.