#028 – Henryk M. Broder im Interview | Deutscher Publizist & Buchautor

Dez 16, 2020 | Kultur, Politik

Aktuelle Episode in Worten

Heute öffnet sich im HAUPTSTADTPODCAST im wahrsten Sinne des Wortes wieder einmal ein neues Kapitel. Denn auch wenn wir schon Gäste komplett wild durch die Bank weg, aller Art begrüßen durften – einen Autoren (und vieles mehr) gab es noch nie. Achtung, es wird scharfsinnig und absolut unterhaltsam! 

Wann gibt’s was? 

  • Das wortgewandte Multi-Talent meldet sich zu Wort bezüglich Corona-Albtraum und Eskapismen (ab Minute 3:15) 
  • Ein verbaler Ausflug in die CDU und warum Broder es so toll findet, dass “Mutti Merkel” so langweilig ist. (ab Minute 6:45) 
  • Das Niveau sinkt kurz auf RTLII-Niveau: Jeder hat sein Guilty Pleasure – Trash-TV ist wohl Broders (ab Minute 19:00) 
  • Ein gewagter Vergleich zwischen Rotlicht-Milieu und seiner Schreibtätigkeit. Klingt strange? Hört selbst (ab Minute 28:15) 
  • Was passiert jetzt, wo Trump geht? Worüber können wir dann noch reden? (ab Minute 32:00) 
  • Broders persönliche Helden Deutschlands und sein Zeitungsranking. Was Politiker mit Quacksalbern zu tun haben (ab Minute 48:45) 
  • Früh aufstehen? Für Broder undenkbar. Der klassische Journalist😉 (ab Minute 62:00) 
  • Twitter, Rizinusöl, Kaffee, Handys… was hat all das mit dem Publizisten zu tun? (ab Minute 81:00)

Ein guter Anfang für einen bösen Film 

Fast routiniert wird mittlerweile die Frage zur persönlichen Sachlage bezüglich Corona miteingebunden. Mit seiner Antwort trifft es der Journalist auf den Punkt (es wird nicht das letzte Mal sein in dieser Podcastfolge): “Ich wache jeden Morgen auf und denke `Was ist DAS für ein scheiß Albtraum. Auch wenn er sich natürlich dessen bewusst ist, wie gut es uns hier in Deutschland geht und dass es Meckern auf höchstem Niveau ist, seine Argumente, es fühle sich so an, als haben alle Hausarrest, kann ich zu gut nachvollziehen. Woraus besteht das Leben, wenn nicht aus Dummheiten, Sachen, die nicht nötig sind und Eskapismen. Zwischenzeitlich bekommen alle Drei eine Bockwurst in die Hand gedrückt – wenn wir schon bei Eskapismen sind.  

Kleiner Politikausflug (wie sollte es auch anders sein) 

Niemand, wirklich gar niemand kann sich vor dem Thema Politik drücken. Weder Wolfgang, der bis vor ein paar Monaten noch ein richtiger Politik-Muffel war, geschweige denn die Gäste hier im HAUPTSTADTPODCAST-Studio. Wie geht´s denn weiter, wenn Merkel nicht weg ist? Broders Meinung nach, ist es gar nicht mal auszuschließen, dass sie vielleicht doch noch mal was dranhängt, das Schlechteste wär´s nicht “Mutti macht weiter”. Überhaupt verändert die Pandemie von einigen Menschen die Überzeugungen “seit Corona halte ich alles für möglich. Ich glaube an immer weniger und halte immer mehr für möglich.” Und schon wieder wecken seine Aussagen irgendwie das Bedürfnis in mir, sie aufzuschreiben, zu twittern oder mir an die Wand zu hängen.  

Bekennender (Trash-)TV-Junkie: Bei Wolfgang genau richtig 

Ja, ich konnte es auch kaum glauben, als Broder mit dieser “Beichte” herausrückte“Ich schau jeden Schrott. Es hat was demokratisches”. Jedem sein Guilty Pleasure. Und wenn wir mal ganz ehrlich sind: Wer genießt es nicht ab und zu mal, mehr oder weniger heimlich von der arte-Doku (wovon Broder auch ein riesen Fan ist) zu “Mitten im Leben” zu schalten? Egal, wie schlimm einem sein eigenes Leben gerade vorkommen mag – im Vergleich sieht es auf einmal viel weniger dramatisch aus (natürlich bekenne ich mich hiermit auch dazu). 
Bei Talk-Shows hat er definitiv die Nase vorn und haut auch hier wieder eine zu köstliche Aussage raus “Aber was ich am meisten in diesen Talk-Shows genieße und wertschätze, mit welcher Begabung die Talk-Master Interesse heucheln. Es ist vollkommen inhaltsfrei, das muss man erstmal können.” So hat eben Jede*r seine Talente, die man fördert und ausreizt. 

Vom Laufhaus zur “Achse des Guten” 

Henryk ist Publizist, Journalist und Autor. Er selbst zieht den krassen Vergleich “Nutte, Hure, Prostituierte – ich weiß gar nicht, was der Unterschied zwischen den drei Berufen ist”. Was macht er also eigentlich genau? “Ich schreibe.” Und zwar hat er “schon alle Laufhäuser hinter sich”. WELT, Die ZEIT und Der Spiegel sind nur ein paar Nennungen. Vor 15 Jahren gründete er seine eigene Website “Die Achse des Guten”, als Pendant zum politischen Schlagwort “Die Achse des Bösen”, das der damalige US-Präsident George W. Bush in Bezug auf die Geschehnisse prägte. Tipp: Unbedingt mal auf Broders Website schauen und sich vom Guten überzeugen! 

“Wenn Trump geht, worüber reden wir denn jetzt?” und ein bisschen Politik-Helden

Talk 
Der Autor/Journalist/sucht euch was aus ist Amerika-Fan, hätte die Pandemie ihm keinen Strich durch die Rechnung gemacht, so hätte er Thanks Giving eigentlich dort verbracht. Trump-Fan ist er allerdings nicht, trotzdem ist er der Meinung, er wird eine gewisse Leere hinterlassen, denn wie gesagt, worüber sollen wir denn jetzt noch reden? Und noch eine gewagte These: er meint, die Deutschen hätten es mit dem Führer-Ding, die Trump-Obsession (auch wenn es negativ war, er war ja ständig im Gespräch bei uns) würde auf eine Art Hitler ersetzen. Genauso wie Putin. Wo wir schon beim Thema “krasse Persönlichkeiten” sind: Was meint er eigentlich zu Greta? Eine faszinierende Göre, die langsam, aber sicher in die Pubertät kommt und immer mehr zur Göre wird. Immerhin eine Göre, die den Mund aufmacht. Und was zu sagen hat. Und von solchen Menschen brauchen wir mehr.  

Gast bei der AFD – Ein Skandal? Lieber lange schlafen! 

“Broder kuschelt mit Faschisten” – “ich fand das einfach lustig”. Ein Shitstorm folgte. Es scheint, als bringe Broder einfach nichts aus der Ruhe. Früh aufstehen ist auch nicht so sein Ding “ich würde niemals einen Job annehmen, der mich dazu zwingen würde, vor 10 aufzustehen.” Er ist ein Autor, wie er im Buche steht. Fehlt eigentlich nur noch das exzessive Kaffee-Trinken. Spoiler: Dieses Klischee bedient er allerdings nicht, wie er am Ende der Folge verrät.  

Unbegrenzte Freiheit bringt ihre Grenzen mit sich 

“Seit jeder überall hinfahren kann, ist die Welt mit Brettern vernagelt” – ausnahmsweise mal kein Zitat von Broder selbst, sondern von einem seiner Lieblingsautoren. Zu Zeiten der Pandemie ist das tatsächliche Reisen natürlich viel weniger geworden, trotzdem können wir dank denahezu unbegrenzten Möglichkeiten des www´s zumindest digital so ziemlich überall hinreisen und alles erleben. Und, Herr Broder, haben Sie eigentlich Twitter? Denn als bekannter Autor sollte DAS ja wortwörtlich einschlagen. Aber nein, “das lehn ich ab wie Handauflegen. Apps hat er keine, bis auf Google Maps, ohne die er nicht ins HAUPTSTADTPODCAST-Studio gefunden hätte. 
Die abschließende Frage aller Fragen, wen er sich als nächsten Gast beim HAUPTSTADTPODCAST vorstellen und wünschen würde, wird ausnahmsweise mal nicht hier im Text gespoilert. Eins kann ich aber verraten: Politik-Fans kommen wieder voll auf ihre Kosten!